Bottwartal Marathon

Viel Schweiß und keine Tränen

126 Teilnehmer von Lauf geht’s absolvieren im Bottwartal den Halbmarathon – Viele Neulinge sind von sich selbst überrascht

Orange war am Sonntagvormittag in Gronau die dominierende Farbe. Denn die Laufshirts von Lauf geht’s fallen nicht nur optisch auf, sie waren im Startort der Halbmarathonstrecke des Bottwartal-Marathons so oft vertreten wie keine anderen.
Für die Teilnehmer des LKZ-Gesundheitsprojektes war der Halbmarathon zugleich der krönende Abschluss und die Bewährungsprobe. Denn sie wollten und sollten unter Beweis stellen, dass das Training gewirkt hat und sie die 21 Kilometer tatsächlich durchhalten. Ein halbes Jahr lang hatten sie sich dafür nach dem Plan der Forschungsgruppe Dr. Feil vorbereitet und dabei auch die Ernährung umgestellt. Und 126 Teilnehmer kamen schließlich ins Ziel, die meisten erschöpft und alle zufrieden.

Nervosität vor dem Start
Bis es soweit war, hieß es für die meisten, die zum ersten mal in ihren Leben einen Halbmarathon bestritten, die Nervosität im Zaum zu halten. Die merkte man den Läufern in Orange deutlich an. „Wir wollen, dass es jetzt endlich losgeht“, meinen einige, die schon in ihrem Startblock stehen und auf den Startschuss warten.
„Ich bin ein bisschen aufgeregt“, gibt auch Siegfried Massier zu, ergänzt aber: „Die Vorfreude ist viel größer.“
Das meint auch Kirstin D’Andola. Für sie ist es, wie für viele ihrer Mitstreiter, der zweite Wettkampf ihres Läuferlebens. Der erste war der Bürgerfestlauf in Freiberg, bei dem die Lauf geht’s-Teilnehmer zur Halbzeit einen ersten Test über zehn Kilometer absolvierten. Für die Laufeinsteigerin ist aber klar, dass der Halbmarathon von Gronau nach Steinheim nicht ihr letzter Wettkampf gewesen ist. „Ich habe Blut geleckt“, bekennt Kristin D’Andola noch vor dem Start.
Bevor es für die Lauf geht’s-Teilnehmer auf die Strecke ging, gab es das spezielle Aufwärmprogramm, das ihnen bereits aus den sonntäglichen Lauftreffs vertraut ist. Und von den Trainern und Betreuern gab es die letzten Tipps, um sicher durchzukommen.
Und die ersten Kilometer waren dann für alle kein Problem, auch weil die Rahmenbedingungen ideal waren. Die Sonne strahlte mit den Läufern um die Wette, es war warm und trocken und die Strecke durchs Bottwartal bietet gerade für Hobbyläufer, die nicht um jede Sekunde kämpfen müssen, traumhafte Ausblicke.
Und im Bottwartal ist auch an der Strecke stets etwas los. „Hier ist eine richtig gute Stimmung“, lobt Ute Kraft.
Dazu tragen neben den Läufern selbst die vielen Zuschauer am Streckenrand und die Bands, Trommelgruppen, Orchester und Spielmannszüge bei, die die Läufer alle paar Kilometer musikalisch anfeuern.
Mancher hat sich von der Stimmung im Feld und am Streckenrand sogar ein bisschen zu viel treiben lassen. „Am Anfang lief es richtig klasse, aber nach der Hälfte bin ich dann eingebrochen“, meint Marc Krönnich selbstkritisch. Er sei wohl etwas zu schnell angegangen. Schlecht abgeschnitten hat er deshalb aber keineswegs. Sein heimliches Ziel unter 1:50 Stunden zu laufen hat er zwar verfehlt, doch er blieb noch mehr als fünf Minuten unter der selbstgesteckten Zwei-Stunden-Marke.

Das Ankommen ist das Ziel
Vielen Teilnehmern der LKZ-Gesundheitsaktion ging es aber nur ums Ankommen, egal ob sie nun zweieinhalb oder drei Stunden unterwegs waren. Und das Ankommen schafften nahezu alle, die gegen halb zwölf in Gronau die Startlinie überquert hatten. Und im Ziel gab es zwar rote Köpfe und schwere Beine aber keine Blessuren oder körperliche Probleme. Die Vorbereitung habe gepasst, hieß es unisono.
Wer sich den Halbmarathon nicht zutraute, konnte im Bottwartal auf die 10-Kilometer-Strecke gehen. Diese Möglichkeit nutzten 31 Lauf geht’s-Teilnehmer und zeigten sich mit ihrer Leistung ebenso zufrieden wie die Halbmarathonis.

Auch erfahrene Läufer profitieren

Drei Halbmarathon-Teilnehmer berichten von ihren Erfahrungen im Bottwartal – Beim ersten Wettkampf unter zwei Stunden

igentlich ist Lauf geht’s ein Projekt, das sich an Menschen richtet, die neu mit dem Laufen beginnen wollen oder nach einer längeren Pause wieder einsteigen. Doch auch wettkampferfahrene Läufer haben etwas von dem Programm, wie Houssam Moghnieh, betont. Er ist selbst das beste Beispiel.
Auf die Frage im Ziel, wie es ihm denn auf der Strecke ergangen sei, antwortet der 48-Jährige grinsend: „Besser als letzte Woche“. Da ist er am Bodensee den 3-Länder-Marathon gelaufen, bei Regen und Kälte. Seine Zeit im Bottwartal nennt er „o. k.“ Mit 1:37 Stunden ist er der Zweitschnellste im Lauf geht’s-Trikot nach dem Trainer der Besigheimer Laufgruppe, Günter Gerke. Der war noch rund viereinhalb Minuten schneller.

Viel von Dr. Feil gelesen
Obwohl er seit zehn Jahren regelmäßig läuft, hat sich Houssam Moghnieh entschieden bei Lauf geht’s, mitzumachen. „Ich habe vorher schon viele Bücher von Dr. Feil gelesen“, erklärt er. Feil und seine Forschungsgruppe, haben das Konzept für das Laufprojekt entwickelt und betreuen die Teilnehmer in Sachen Ernährung und Trainingssteuerung. Und da er für seinen Arbeitgeber, das Klinikum Ludwigsburg, schon öfter beim LKZ-Firmenlauf am Start war, interessierte er sich für das Projekt, als es in der Zeitung vorgestellt wurde. Zudem ist Lauf geht’s-Trainer Jürgen Pietsch ein Kollege von Moghnieh im Klinikum. Dass es richtig war, teilzunehmen, steht für den Ludwigsburger fest. „Lauf geht’s hat mir bei Ernährung und Training etwas gebracht“, sagt er.
Gebracht hat das Gesundheitsprojekt auch Birgit Voigt und Martina Conrady etwas. Die beiden Frauen sind vorher nur sporadisch gelaufen und ohne Wettkampfambitionen. Für beide war es der erste Halbmarathon ihres Lebens und beide sind im Ziel rundum glücklich.
„Ich wollte ankommen“, beschreibt Martina Conrady ihr Ziel. Doch dann wurde es deutlich mehr, als nur ankommen, denn sie passierte die Ziellinie 19 Sekunden vor der Zwei-Stunden-Marke. „Ich war überrascht, wie gut es ging“, erzählt sie. Selbst bei Kilometer 16 hätten sich die Beine noch erstaunlich locker angefühlt. Nur der letzte Kilometer sei dann ein wenig zäh gewesen. Ihr Fazit nach einer knappen halben Stunde im Ziel: „Ich kann es noch immer nicht glauben.“

Rennen richtig eingeteilt
Mit dem letzten Kilometer keine Probleme hatte Birgit Voigt. „Es lief super. Ich habe es mir richtig eingeteilt“, erklärt die 58-Jährige. Sie sei etwas langsamer losgelaufen und habe dann viele andere überholt. „Und am Schluss hätte sie sogar noch schneller laufen können“, sagt sie. Ihre Zeit – 2:10 Stunden – ist allerdings auch ohne Endspurt respektabel. In ihrer Altersklasse schaffte sie es damit auf Platz 15 von 45 Teilnehmerinnen.
Das ist um so erstaunlicher, weil Birgit Voigt vor dem Start der LKZ-Aktion keine Wettkämpfe bestritten hatte. „Das war nach Freiberg mein zweiter Wettkampf“, sagt sie. Das Training und auch die Tipps direkt vor dem Lauf seien richtig gut gewesen. Um ihren ersten Halbmarathon zusammenzufassen, reicht ihr ein Wort: Super.

Martina Conrady

Hussam Moghnieh

Birgit Voigt

Dr. Feil im Interview

Dr. Feil

Tipps zur Vorbereitung des Bottwartal-Marathon

Frage: Herr Dr. Feil, der Halbmarathon in Steinheim rückt näher. Was sollten die Teilnehmer in den letzten zwei Wochen vorher trainieren? Noch einmal extra viel?

Feil: Nein, extra viel auf keinen Fall. Zwei Wochen vor dem Halbmarathon ist noch einmal eine letzte lange Einheit, bis dahin sollte man das Training noch durchstehen – und dann die Umfänge bewusst herunterfahren.

Frage: Ist das nicht zu wenig?

Feil: Nein. Viele Kilometer machen müde, und beim Halbmarathon wollen wir wieder wach sein. Am besten einfach an den Trainingsplan halten. Auch wenn man denkt, man könnte doch mehr machen. Die Reduzierung in den zwei Wochen vor dem Halbmarathon ist wichtig.

Frage: Dann hat man ja wieder viel mehr Zeit – was macht man dann, statt zu trainieren?

Feil: Wichtig ist, sich auf den Halbmarathon zu freuen. Unsere Lauf Geht’s Teilnehmer sollen also ganz bewusst spazieren gehen, oder einfach die Beine hochlegen. Sie sollen sich erholen und die Seele baumeln lassen. Sie sollen sich darüber freuen, wie das Training gelaufen ist, wie sich in den letzten Monaten ihr Trainingszustand verbessert hat. Wenn sie sich überlegen, was Sie schon geschafft haben und sich den erfolgreichen Weg klarmachen, dann kommt Stolz und Freude auf – der Halbmarathon ist dann nur die Krönung.

Frage: Was sollen – oder: dürfen – die Teilnehmer in den letzten zwei Wochen essen?

Feil: Ein roter Faden bei der Ernährung im Lauf-geht’s-Programm war ja immer: Viel Gemüse, viel Salat. Das geht bis zum Schluss weiter. In der letzten Woche empfehle ich aber im Gegensatz zur Trainingsphase wieder mehr Kohlenhydrate – also Nudeln, Reis, Kartoffeln. Aber bei Nudeln bitte trotzdem die Dinkelnudeln den Weizennudeln vorziehen, denn Weizen erhöht die Entzündungsreaktionen im Körper. Und auch hier gilt: Die Vorfreude ist wichtig. Man darf auch sündigen.

Frage: Was ist mit Alkohol?

Feil: Auf Alkohol sollte in den letzten Wochen verzichtet werden. Alkohol hemmt die Regeneration, man verliert mehr Magnesium und Zink und das Hormonsystem wird schlechter. Aber ich sag‘ immer: Ein Bier geht immer (lacht).

Frage: Was für ein Frühstück empfehlen Sie vor dem Lauf?

Feil: Man sollte etwas Leichtes essen, und etwas Gewohntes, das nicht belastet.  Also kein Müsli, keine Nüsse, eher Haferflocken, Hafer- oder Hirsebrei. So zwei Stunden vor dem Lauf geht auch eine Banane gut – die sollte man gut kauen. Und viele machen den Fehler, dass sie in der letzten Stunde vor dem Start zu viel trinken.

Frage: Was wäre zu viel?

Feil: Drei Stunden vor dem Lauf kann man ruhig noch einen Liter trinken, Wasser oder Tee. Aber eine Stunde vorher nur noch wenig – sonst ist der Harndrang so hoch. Es gibt zwar auch am Streckenrand Toiletten – aber dann will man ja laufen.

Frage: Was sollten die Läufer beachten, die zum ersten Mal einen Halbmarathon laufen?

Feil: Wenn so viele Leute am Start sind, kann es sein, dass die Pulswerte auf der Uhr nicht stimmen. Davon braucht man sich nicht beunruhigen lassen, dann hört man einfach auf sein Körpergefühl.

Frage: Und wenn mein Körper sich toll anfühlt – dann sprinte ich los?

Feil: Wichtig ist: Es ist ein Halbmarathon, und ein Halbmarathon dauert zwei bis drei Stunden. Die erste Hälfte oder die ersten zehn Kilometer sollten unsere Lauf Geht’s Teilnehmer also bewusst mit Handbremse laufen. Die zweite Hälfte kann man dann etwas schneller laufen. Bei so einem Wettkampf herrscht immer eine große Euphorie, viele Leute springen da herum – da darf man sich davon nicht anstecken lassen.

Frage: Also lieber alleine laufen?

Feil: Das auch nicht – aber man sollte Ruhe bewahren. Mein Tipp ist: Bleiben Sie in ihrer Gruppe. Schauen Sie, dass sie sich mit anderen zusammentun – zusammen läuft sich’s besser. Im Läuferjargon sagen wir: Sich einen Bus suchen. Also nicht alleine. Da spart man viel Energie.

Frage: Und wenn man seinen Bus verpasst – und ganz hinten läuft?

Feil: Auch da ist man nicht alleine: Ich laufe ganz am Ende des Feldes mit. Die Läufer können sich also beruhigt zurückfallen lassen und sich sagen: Dr. Feil läuft hinten und sammelt mich ein.

Trainings-Urlaub an der Costa Brava

Eine Woche Strandurlaub mit Lauf-geht‘s-Trainingseinheiten

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Lauf geht’s startet mit über 300 Hobbysportlern

Der bekannte Ernährungs- und Sportwissenschaftler Dr. Wolfgang Feil hat gestern Abend im Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse mit seinem Vortrag „Lauf dich gesund – Ganzheitlich zum Erfolg“ auf das Sport- und Gesundheitsprojekt Lauf geht’s der Ludwigsburger Kreiszeitung eingestimmt. Über 300 Hobbysportler haben sich zum Ziel gesetzt, durch Training und gesündere Ernährung in sechs Monaten so fit zu werden, dass sie einen Halbmarathon laufen können. Gestern nahmen sie ihre Starterpakete in Empfang und ließen sich von Feil in das Konzept von Lauf geht’s einweihen (jüs)

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